Sieh mich nicht

Heute haben wir Sport, denkt Häschen. Und das gefällt ihr nicht. Vielleicht sind es die alten Erinnerungen, die sie umgarnen. Umschweben wie ein Schwarm Unheilsbienen. Früher waren es immer die anderen, die ihr bewusst gemacht haben, wie sehr Sport ihre Schwäche ist. Und ihre Blicke und ihre Wort werden zu ihrem Ekel. Dem Ekel vor sich selbst. Vor all dem, was an ihr ist. Eigentlich vertraut sie den Neuen. Doch als sie die Halle betritt, als sie die anderen sieht, da steigt Panik in Häschen auf und sie möchte zurück in ihren schützenden Bau. Sich verstecken, nicht gesehen werden und vor allem...nicht sehen. Nicht die Männer sehen und nicht die Frauen. Die Männer sind das schlimmste. Sie fühlt sich von ihnen begafft, gemustert, abgecheckt. Dabei hat sie extra die lockere Hose angezogen. Die, die ihr drei Nummern zu groß ist. Die wirklich nichts betont. Es gibt mehrere Stationen. Häschen ist schlecht. Bei allen hat sie die schlechteste Punktzahl. Und als sie Seil springen, ruscht ihre Hose hin und her. Häschen denkt mit Grauen daran, dass die anderen mehr von ihr gesehen haben könnten, als ihr lieb ist. Und wieder spürt sie die Blicke der Jungen. Seht mich nicht nicht an. Sie möchte hinaus rennen, möchte eine Decke um ihren Körper schlingen und sich darin vor den Blicken der anderen schützen. Sie möchte eine Mauer errichten, sodass niemand sie mustern kann. Möchte es ihnen verbieten. Aber es gibt kein Gesetz, kein Verbot und keinen Schutz. Eigentlich gibt es auch keinen Grund. Nur das weiß Häschen nicht...

20.11.14 19:10, kommentieren

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